Sekundärrohstoff als Strategie – Kruschitz GmbH

Leuchtturm Lakesidepark
24. Juni 2019
Stärke aus der Region – Hasslacher Gruppe
26. Juni 2019
alle anzeigen

Sekundärrohstoff als Strategie – Kruschitz GmbH

Kruschitz Plastic & Recycling, (c) Johannes Puch

Die Kruschitz GmbH mit ihren beiden Standorten in Völkermarkt und Kühnsdorf beschäftigt rund 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ist ein bedeutender Arbeitgeber in der Region. Das Unternehmen beziehungsweise die Unternehmensgruppe betreibt mehrere Geschäftsfelder, das Hauptgeschäft ist das Kunststoffrecycling. Einfach erklärt kauft die Kruschitz GmbH Kunststoffabfälle an, also Sekundärrohstoffe in ihrem Sinn, um sie zu neuen Produkten zu verarbeiten.

Der Vater startete 1956 mit dem Entsorgen von tierischen Stoffen wie Mägen und Borsten das Unternehmen, erst später kam das Sammeln anderer Abfälle hinzu. Werner Kruschitz stieg nach den ersten Erfahrungen als Bürokaufmann früh in das väterliche Unternehmen ein. Wenn man heute das Unternehmen sieht, erweckt es eher den Eindruck eines Altstoffsammelzentrums und nicht den einer Produktionsstätte – das bringt der Rohstoff mit sich. Er nimmt räumlich viel Platz ein, damit er für die Weiterverarbeitung aufbereitet werden kann. Achtzig Prozent des Kunststoffs, der bei Kruschitz einlangt, kann wiederverwertet werden, zwanzig Prozent sind unverwertbarer Müll, der verbrannt werden muss.

Kruschitz ist wichtig für die Region. In Österreich gibt es vier Unternehmen, die sich wie Kruschitz mit dem Wiederverwerten von Kunststoff beschäftigen. Wenn man so will, ist Kruschitz also ein Leuchtturm in der Branche – und ein Leuchtturm für die Region.

Werner Kruschitz;  (c) Johannes Puch

Neben dem wirtschaftlichen Nutzen für die Region ist Recycling an und für sich etwas ganz Willkommenes. Andererseits handelt es sich aber dabei eben um Plastik – einfach, billig, umweltschädlich. Das sind Vorurteile, die unbedingt ausgeräumt werden müssen. Kunststoff hat den Vorteil, dass er sich, wenn er sortenrein gesammelt wird, zu Neuprodukten in der gleichen Qualität wie der ursprünglichen verarbeiten lässt (z. B. Bottle-to-Bottle). Bei Papier ist das vergleichsweise schwierig bis gar nicht möglich. Eine Welt ohne Kunststoff wäre in der heutigen Zeit undenkbar – beispielsweise erhöht eine Kunststoffverpackung die Haltbarkeit von vielen Lebensmitteln um zweihundert Prozent. Der springende Punkt ist also nicht die Eigenschaft des Endproduktes Plastik, sondern das Vorher und das Nachher.

Das Unternehmen Kruschitz bezieht seine Sekundärrohstoffe nicht nur aus Österreich. Also anders formuliert: Kruschitz kauft Plastikmüll im Ausland ein. Werner Kruschitz erklärt: »Es ist nicht so, dass in Österreich nicht genug davon da wäre, aber die artgerechte Sammlung funktioniert hier nicht und ist auch nicht gewollt.« Er erhofft sich durch die geänderten gesetzlichen EU-weiten Rahmenbedingungen, dass die Sammlung in Österreich besser gelingen wird. Bis zum Jahr 2025 müssen 50 Prozent aller Plastikabfälle – und nicht wie bisher nur 22,5 Prozent – recycelt werden.

Welche soziale Verantwortung sieht Werner Kruschitz? Gerade jetzt, da er das Unternehmen verkauft hat, ist es ihm wichtig, dass der Betrieb erhalten bleibt. Auch wenn er davon ausgeht, dass alle seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgrund ihrer hervorragenden Qualifikation leicht woanders unterkommen würden, möchte er, dass das Unternehmen Kruschitz als Arbeitgeber weiter besteht.

 

Dieser Text stellt eine stark verkürzte Version des Beitrages »Sekundärrohstoff – entscheidend sind das Woher und Wohin« aus dem KWF-Magazin 1.2019 dar. Eine Download-Version des Magazins finden Sie auf unserer Website.

Login Antrag