Kärnten als Mekka der Kunststoffkreislaufwirtschaft

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Kärnten als Mekka der Kunststoffkreislaufwirtschaft

Bei der Eröffnung der Kunststoffcluster-Tagung am 21. Juni (v.l.n.r.) Harald Kogler, Wolfgang Bohmayr, Gaby Schaunig, Andreas Starzacher, Werner Kruschitz. (c) Ozzy Images

 

»Gemeinsame Stärken ausspielen« – unter dieser Prämisse starteten Kärnten und Oberösterreich Anfang 2021 ihre Kooperation im Bereich Kunststoff- und Kreislaufwirtschaft. Die ersten Früchte des etablierten Netzwerkes wurden in einer zweitägigen Fachtagung im Klagenfurter Messezentrum sichtbar. Mehr als 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer einschlägiger Kunststoffbetriebe, aus Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen und sonstige Stakeholder vernetzen sich und überzeugen sich von den Kompetenzen von 21. bis 22. Juni  2022.

»Das Bundesland Kärnten ist auf einem sehr guten Weg sich zu einem wissensbasierten Innovationsstandort zu entwickeln, überregionale Kooperationen sind die wesentlichen Bausteine dafür Kompetenzen vor Ort auszubauen. Die vor rund einem Jahr gestartete Kooperation mit dem Kunststoffcluster Oberösterreich trägt bereits wesentlich dazu bei, die Kompetenzen der regionalen Kunststoffbranche sichtbar zu machen.as Bundesland Kärnten ist auf einem sehr guten Weg sich zu einem wissensbasierten Innovationsstandort zu entwickeln, überregionale Kooperationen sind die wesentlichen Bausteine dafür Kompetenzen vor Ort auszubauen. Die vor rund einem Jahr gestartete Kooperation mit dem Kunststoffcluster Oberösterreich trägt bereits wesentlich dazu bei, die Kompetenzen der regionalen Kunststoffbranche sichtbar zu machen,« LH- Stellvertreterin Gaby Schaunig. 

Als Höhepunkte des ersten Tages wurde die Unternehmen Steinbeis Polyvert GmbH, CCL-Label Austria GmbH, PreZero Polymers GmbH und die SynCycle Pilotanlage bei der KRM Kunststoff-Recycling-Maschinen GmbH besichtigt. Diese hohe Konzentration von Unternehmen im Kunststoffrecyclingbereich im Raum Völkermarkt | Kühnsdorf ist österreichweit einzigartig und großteils auf die Aktivitäten des Unternehmers Werner Kruschitz zurückzuführen, der hier Pionier- und Aufbauarbeit leistete und als Botschafter der Branche gilt. Eine Pionierrolle nimmt er erneut durch die Installation einer aus einem Forschungsprojekt entstandenen chemischen Kunststoffrecyclinganlage in Kooperation mit steirischen und oberösterreichischen Unternehmenspartnern ein.

LHStv.in Gaby Schaunig hob in ihrer Begrüßungsrede die Wichtigkeit eines überregionalen Kompetenzaustausches Austausches hervor und sieht in der Kooperation die Fortsetzung des erfolgreichen Weges, Technologien und Entwicklungen in neue Innovationen umzusetzen und so Exporterfolge und damit auch die Produktion an beiden Standorten langfristig abzusichern.

Frank Böhler als Fachvertretungsvorsitzender der Kunststoffverarbeiter Österreichs und Jürgen Mandl, Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten wiesen am gemeinsamen Netzwerkabend auf die hohe Bedeutung der Branche zur Erreichung der Ziele des »Green Deals« hervor, und merkten aber kritisch an, dass es an der höchsten Zeit wäre einheitliche europäische Regulationen umzusetzen um den Einsatz von Kunststoffrezyklaten in neuen Anwendungen durch klare rechtliche Rahmenbedingungen Vorschub zu leisten. Die derzeitige Marktentwicklung gibt dem Thema Recycling einen besonderen Stellenwert. Rohstoffpreissteigerungen von aktuell bis zu 300% erfordern Maßnahmen den Wettbewerbsvorteil zum Beispiel durch den Einsatz von Sekundärrohstoffen abzusichern, so Harald Kogler, CEO der Hirsch Servo Gruppe, Europas größten Dämmstoff- und Verpackungshersteller aus Styropor mit Sitz in Glanegg.

Das Image von Kunststoff hat in letzter Zeit in der Öffentlichkeit einen bitteren Beigeschmack erhalten, vorwiegend aufgrund der negativen Berichterstattung in Zusammenhang mit Mikroplastik und im Meer treibenden Kunststoffverpackungen. Dabei ließe sich dies durch geeignete Sammelsysteme und bedachtem Einsatz dieses wertvollen Materials durchaus verhindern, bricht Sabine Sabine Nadherny-Borutin, Obfrau des Österreichischen Carbon Cycle Circle, eine Lanze für den einzigartigen Werkstoff. Der derzeitige Lebensstandard wäre ohne dieses Material undenkbar, als Verpackung um Lebensmittel vor dem Verderben zu schützen, in medizinischen Anwendungen, in der Mobilität oder in der Energieerzeugung. Ein jüngst am Kompetenzzentrum Holz in St. Veit an der Glan entwickeltes CO2-neutrales und nach Einsatz einfach wiederaufzubereitendes Rotorblatt für Windkraftanlagen unterstreicht letzteres spektakulär: Kunststoffmatrix und Verstärkungsfasern bestehen zu 100% aus Hanf.

Um auch die Jugend für dieses Material und dessen Möglichkeiten, es nach Gebrauch einzuschmelzen und Granulat für neue Anwendungen herzustellen, zu gewinnen und die Fachkräfte für morgen auszubilden, wird ab dem Schuljahr 2022| 2023 an der Euregio HTL in Ferlach eine Fachschule für Kunststoff- und Recyclingtechnik geführt.

Einblicke in die neue österreichische Strategie für Kreislaufwirtschaft gab Thomas Jackl, Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) und wies insbesondere darauf hin, wie wesentlich es ist, jedes Glied der Wertschöpfungskette zu hinterfragen und neuen Geschäftsmodellen den Vorzug gegenüber dem oft vorherrschenden Paradigma des maximalen Produktabsatzes einzuräumen. Der Materialfußabdruck, in Österreich viel höher als im EU-Durchschnitt, muss durch innovative Herangehensweisen reduziert werden, Hersteller von Reinigungsmitteln könnten in Zukunft gereinigte Flächen als Dienstleistung anbieten und so den Materialverbrauch reduzieren. Die Umstellung auf Kreislaufwirtschaft geht neben ökonomischen Gesichtspunkten mit sozialen Aspekten einher und muss in Unternehmen als Change-Management-Prozess gesehen werden um diese Transition bewältigen zu können.

Alles in allem waren die Kunststofftage ein gelungener Auftakt um den regionalen Aktivitäten Sichtbarkeit zu verleihen und neue Projekte anzustoßen zeigten sich Wolfgang Bohmayr, Leiter des Kunststoffclusters der Business Upper Austria und Andreas Starzacher vom Kärntner Wirtschaftsförderungsfonds sehr zufrieden. Die Aktivitäten sollen noch weiter intensiviert werden, erste Vortragende aus Slowenien und Italien unterstreichen das große Potenzial für den gesamten Alpen-Adria-Raum. Die Kooperation zwischen den beiden Einrichtungen läuft bis Ende 2023, einer Verlängerung der erfolgreichen Zusammenarbeit steht nichts im Wege.

 

Rückfragen an:

Dipl.-Ing. Andreas Starzacher, Prok.
Leiter Strategische Wirtschaftsentwicklung & Standort
KWF Kärntner Wirtschaftsförderungs Fonds
andreas.starzacher@kwf.at
T +43.463.55 800-21