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RE-CEREAL – Verbreitung und Aufwertung von Urgetreide

Infobox

Projektleitung:

Dr. Schär AG

Programm: Interreg VA Programm Österreich-Italien

Projektpartner:

  • Versuchszentrum Laimburg
  • Università degli Studi di Udine – Dipartimento di Scienze AgroAlimentari, Ambientali e Animali – DI4A
  • Universität Innsbruck
  • Schär Austria GmbH 
  • Kärntner Saatbau

Projektlaufzeit: 07|2019 bis 06|2021
Projektbudget gesamt: EUR 1.322.623,53 (davon EFRE Finanzierung: EUR 999.999,98)
Projektbudget Dr. Schär Austria GmbH: EUR 200.000,- (davon EFRE-Finanzierung: EUR 130.000,-)

»RE-CEREAL« ist eines von vielen Projekten, die von der EU gefördert werden.  Es wurde aber nicht nur gefördert, sondern ist auch ein beispielhaftes Projekt, das im Jahr 2018 als Finalist des EU-Projektwettbewerbs RegioStars ausgezeichnet wurde.

Wir haben bei einem Projektpartner nachgefragt, was seine Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Projekt sind.
Gerald Seiler, Geschäftsleiter der Dr. Schär Austria GmbH hat unsere Fragen beantwortet.

 

Was sind die Projektziele und wurden alle erwarteten Projektergebnisse bereits erreicht?

Urgetreide und Pseudocerealien wie Buchweizen, Hirse und Hafer, die bis Mitte des 20. Jahrhunderts im Programmgebiet angebaut wurden, werden heute gegenüber ertragreicheren Kulturen wie Weizen und Mais vernachlässigt. Die negativen Folgen sind u. a. die Ausbeutung der bestellten Böden mit Monokulturen und der Verlust von Nährstoffen.
Dagegen besitzen Urgetreide und Pseudocerealien viele Qualitäten. Ihr Anbau fördert Biodiversität und, aufgrund ihrer geringeren Ressourcenintensivität, Nachhaltigkeit der Nahrungskette. Dazu bereichert der hohe Gehalt an Aminosäuren, Mineralien und Vitaminen unsere Ernährung. Darauf beruht ihre Bedeutung für glutenfreie sowie traditionelle Lebensmittel, in denen auch Weizen verarbeitet wird.
Ziel des Projektes RE-CEREAL war der Ausbau eines grenzüberschreitenden Netzwerkes von Universitäten, Versuchszentren und Unternehmen mit multidisziplinären Kompetenzen – Genetik, Agronomie, Chemie, Ernährungslehre und Lebensmittelherstellung. Ein großer Nutzen war generell die Zusammenarbeit und die Zusammenführung der unterschiedlichen Ergebnisse, wie auch die weitere Zusammenarbeit nach Projektende, da einige Ergebnisse erst nach Ende des Projektes vorlagen. Mit dem Projekt konnte nämlich nicht nur die Verbreitung von Urgetreide und Pseudocerealien durch genetische Verbesserungs- und Selektionsaktivitäten begünstigt werden, sondern auch ihre Verwendung in der Lebensmittelindustrie und die Aufwertung von nutrazeutischen Komponenten in Brot, Nudeln und Gebäck gefördert werden.

Wie sind Sie dazu gekommen, ein grenzüberschreitendes Projekt umzusetzen?

Wir selbst hatten noch keine Erfahrung mit Interreg Projekten und kannten unsere Partner noch nicht. Ausschlaggebend für uns war die Möglichkeit, Produkte, die aufgrund der klimatischen Bedingungen auch in unserer Region gute Ernten ermöglichen, konkret und auf lokaler Ebene einzuführen und in der Wertschöpfungskette dauerhaft einzubetten. Damit konnten eine für alle vorteilhafte Situation geschaffen aber auch ein positiver Beitrag zum Umweltschutz mit der Wiederbelebung sogenannter „alter“ Sorten von glutenfreien Urgetreiden und Pseudocerealien geleistet werden.

Ursprünglichkeit und die Zusammenarbeit mit lokalen Landwirten zu fördern und auszuweiten ist Dr. Schär stets ein Bestreben. So hatten wir als Kärntner Produktionsbetrieb und Analyse- und Kompetenzzentrum der Schär Gruppe die Möglichkeit, Teil dieses spannenden Projektes zu werden.

 

 

Inwieweit hat der kooperative Ansatz des Projektes Ihre Organisation sowie Ihre Partner im positiven Sinn verändert?

Durch dieses Projekt konnten neue Analysemethoden erforscht und definiert werden, was für uns besonders wertvoll ist. Damit wurde die Bestimmung der Eigenschaften des Rohstoffes und dessen Einsatzbarkeit deutlich erleichtert, was maßgeblich zur Her- und Sicherstellung eines qualitativ hochwertigen und sicheren Produktes für unsere Konsumenten beiträgt.

 

Gibt es als Beispiel eine bestimmte Lehre die Sie & Ihre Partner daraus gezogen haben?

Was sich für uns einen großen Nutzen gestiftet hat, ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit den Forschungsabteilungen der Universitäten. Dadurch war es uns möglich, neue und innovative Analysenmethoden aufzunehmen und anzuwenden.

 

Was ist für die erfolgreiche Umsetzung des Projektes entscheidend gewesen?

Sorgfältige Projektplanung, Zeitpuffer und Anpassungsfähigkeit sind unentbehrlich, weil in der Lebensmittelindustrie und dem Agrarsektor Jahreszeiten und Wetterbedingungen eine große Rolle spielen. Innovation steht in diesem Sektor vor spezifischen Herausforderungen.

Dazu sind offene Kommunikation und eine freie, kreative Denkweise sowie die richtige Portion Humor um Rückschläge zu überwinden sicher die Schlüssel für ein solches Projekt.

 

Wenn Sie einem mit EU-Programmen unerfahrenen oder unentschlossenen Projektträger einen Ratschlag geben dürften, wie würde dieser lauten?

Es kommt darauf an, welcher Bereich im Fokus des Projekts steht. Sollte es um den Agrarbereich gehen, dann ist die Laufzeit des Projekts einer der wichtigsten Faktoren. Wetterkapriolen, die im Projektzeitraum häufig aufgetreten sind, haben uns für die Erreichung der geplanten Ergebnisse manchmal ganz schön viel Zeit gekostet und unsere Bemühungen zunichtegemacht. Das war teilweise frustrierend!

Sehr positiv ist aber, dass gemeinsames Arbeiten vereint und über die Projektlaufzeit hinaus andauert.

 

Welches Wortspiel beschreibt für Sie am besten die grenzüberschreitende Kooperation in Kärnten mit Italien im Hinblick auf die kommenden 7 Jahre?

Ich hoffe sehr, dass wir die Früchte unserer gemeinsamen Arbeit ernten werden. Denn speziell in Zeiten der Klimakrise muss Buchweizen nicht unbedingt aus China importiert werden und auch Hirse kann und soll wieder auf unseren Feldern wachsen.

Eine große Herausforderung besteht aber darin, einerseits gerechte Preise für Landwirte festzulegen, andererseits wettbewerbsfähige Endprodukte auf einem globalisierten Markt anzubieten. Laufender Dialog und Anpassungen unterschiedlicher Preisvorstellungen zugunsten von Kompromissen sind dafür notwendig.

Weiters wird sich in den kommenden Jahren die Frage der steigenden Flächenneuinanspruchnahme akut stellen. Durch den »Bau-Tsunami« und das »Zupflastern« von Agrarflächen werden, speziell in unseren Regionen, immer mehr wertvolle Rohstoffe leider importiert. Und somit steigt auch das Risiko, dass immer weniger Akteure sich für lokale bzw. Urgetreidesorten und Pseudocerealien interessieren und sogar selbst Rohstoffe für Nahrungsmittel anbauen. Darüber sollte nachgedacht werden, bevor es zu spät ist!