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16. Februar 2026»Nutzen Sie die Zeit nicht nur, um Ihre Idee weiterzuentwickeln, sondern auch, um sie zu hinterfragen. vor.GRÜNDEN bietet Ihnen die seltene Gelegenheit dazu.«
Vor der Gründung steht eine Idee, die Rahmenbedingungen braucht, in der sie entstehen und reifen kann. Mit vor.GRÜNDEN unterstützt der KWF Institutionen dabei, sich gezielt den Ideen von gründungsbereiten Personen zu widmen. Junge Talente finden sich am Beginn ihrer Reise – mit dem Ziel die eigene Idee bis hin zur Gründung eines eigenen Unternehmens weiterzuentwickeln. Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus vergangenen Durchgängen berichten über ihre Erfolge: Bart van den Doel, Gründer von Entolum, im Interview.
Was war Ihre Idee und welches Problem wollten Sie damit lösen?
Meine Vision war es, mit Entolum eine neue Art biologischer Infrastruktur aufzubauen: Systeme, die regionale Nebenprodukte aus der Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie mithilfe von Insekten in hochwertige Protein- und Nährstoffe umwandeln. Die Idee entstand aus meiner früheren Arbeit in der industriellen Insektenzucht, wo ich sowohl das Potenzial, aber auch die praktischen Grenzen bestehender Ansätze erkannte.
Dies führte mich zu einer anderen Perspektive: Anstatt die Biologie der Insekten als eine Einschränkung zu betrachten, die mit zunehmender technischer Komplexität kontrolliert werden muss, begann ich zu untersuchen, wie das biologische Verhalten selbst Teil der Lösung werden könnte. Durch die Abstimmung der Technik auf natürliche Prozesse können Systeme so gestaltet werden, dass sie leichter in regionale Wertschöpfungsketten zu integrieren sind.
Gleichzeitig befindet sich die Branche in einem Übergang von rein produktionsorientierten Modellen hin zu Ressourcenkreisläufen und Kreislaufwirtschaft. Dieser Wandel erfordert alternative Arten und Systeme – ein Bereich, in dem die Forschung mit Kakerlaken neue Möglichkeiten eröffnet. Der Zeitpunkt meiner Idee passte gut mit den sich abzeichnenden Bedürfnissen der Bioökonomie zusammen.
Mein Ziel ist es, Bioabfälle effizient zu nutzen und gleichzeitig die regionale Futtermittelautonomie zu stärken. Damit trage ich zur langfristigen Widerstandsfähigkeit des europäischen Ernährungssystems bei.
Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?
Nach dem erfolgreichen Abschluss von vor.GRÜNDEN habe ich mein Unternehmen – die Entolum GmbH – gegründet. Außerdem habe ich mit meinem Pitch über meine Idee 2025 den ersten Platz beim »90 Seconds«-Wettbewerb gewonnen. Ich konnte bereits mehrere F&E-Kooperationen initiieren und sicherte meinem Start-up öffentliche Forschungs- und Innovationsförderungsmittel in Höhe von über einer Million Euro zu.
Ich bin mitten in der Entwicklung modularer Umwandlungssysteme auf Insektenbasis und habe mit regionalen Partnern Versuche zur Bewertung von Rohstoffen gestartet. Dadurch positioniere ich Entolum als Technologieanbieter für zirkuläre Proteininfrastruktur anstelle eines herkömmlichen Insektenproduzenten. Heute konzentriert sich Entolum auf die Entwicklung skalierbarer Module, die direkt dort eingesetzt werden können, wo organische Nebenströme anfallen – wodurch die Produktion näher an ihren Ursprung gebracht und die regionale Widerstandsfähigkeit gestärkt wird.
Was waren Ihre Highlights bei vor.GRÜNDEN?
Die Teilnahme an vor.GRÜNDEN bot mir das strukturierte Umfeld, das ich benötigte, um den Sprung vom Experimentieren zum Unternehmertum zu schaffen. Insbesondere half es mir dabei, technische Erkundungen in einen klaren Business Case umzusetzen und die tatsächlichen Marktbedürfnisse durch Gespräche mit Industriepartnern zu validieren. Ich konnte die ersten Systemkonzepte und Prototypen entwickeln und gewann dadurch den notwendigen Mut, um den letzten Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und Entolum offiziell zu gründen.
Diese Kombination aus finanzieller Unterstützung und institutioneller Rückendeckung ermöglichte es mir, mich in einer Phase, die für Deep-Tech-Ideen in der Regel schwierig ist und in der umfangreiche Vorarbeiten erforderlich sind – lange bevor sich kommerzielle Erfolge abzeichnen – ganz auf die Entwicklung zu konzentrieren.
Ratschlag für zukünftige Teilnehmerinnen und Teilnehmer von vor.GRÜNDEN
Für mich hat vor.GRÜNDEN Neugier und Engagement miteinander verbunden. Es ist eine ausgezeichnete Möglichkeit zu testen, ob die Idee nicht nur wissenschaftlich, sondern auch wirtschaftlich und organisatorisch tragfähig ist. Für Gründerinnen und Gründer, die an unkonventionellen Lösungen arbeiten, ist diese frühe Validierung von unschätzbarem Wert.
Persönlicher Tipp
Nutzen Sie die Zeit nicht nur, um Ihre Idee weiterzuentwickeln, sondern auch, um sie zu hinterfragen. vor.GRÜNDEN bietet Ihnen die seltene Gelegenheit, Annahmen in einem realen Kontext auf Herz und Nieren zu prüfen – durch Gespräche, Partnerschaften und konkrete Umsetzung.
Ich bin dankbar, Teil des Produkts gewesen zu sein, und freue mich, dass es weiterhin neue Gründerinnen und Gründer unterstützt.


