Kooperation und Konkurrenz im AplusB South West

Gelebte Kooperation in der Kompetenzzentrum Holz GmbH
16. August 2022
Zahl des Monats: + 5,4 %
22. August 2022
Alle anzeigen

Kooperation und Konkurrenz im AplusB South West

Mit dem Projekt AplusB South West haben sich Kärnten, Salzburg, Tirol und Vorarlberg zusammengetan, um Kräfte zu bündeln und bundesländerübergreifend Synergien zu nutzen und (angehende) Startups zu unterstützen. (c) Johannes Puch

Die drei westlichen Bundesländer Tirol, Salzburg und Vorarlberg sowie das südlichste Bundesland Kärnten haben im Bereich FTI | Forschung, Technologie, Innovation und in den daran angelagerten Spin-off-Aktivitäten von skalierenden, neuen Unternehmen ähnliche Herausforderungen zu bewältigen. Im Wirtschaftsleben liegt der Fokus derzeit auf Wettbewerb. Um Erfolg zu haben, wird aber Kooperation und Konkurrenz benötigt.

Genau hier setzt das Konsortialprojekt AplusB South West an, ein Projekt, das im Rahmen des Förderungsprogramms AplusB Scale-up der Austria Wirtschaftsservice zur Gründung und frühen Entwicklung von FTI- und wachstumsorientierten Unternehmen gemeinsam konzipiert wurde. Es gibt zwar in den vier Bundesländern international herausragende Industrieunternehmen und exzellente Forschungseinrichtungen, jedoch ist die Wirtschafts- und damit die Forschungsstruktur geprägt von einer größeren Kleinteiligkeit und einer stärkeren Diversifikation. Dies wirkt sich auch auf das FTI-System und damit auf die Ausrichtung und die Schwerpunkte der Universitäten und Fachhochschulen aus. Technische Studienrichtungen werden vielmehr durch den FH-Sektor getragen, eine Technische Universität ist nicht vorhanden. Die angesprochenen Bundesländer unternehmen daher vielfältige Anstrengungen, um die FTI-Dynamik zu erhöhen und die Anschlussfähigkeit am bundesweiten FTI-System zu verbessern. Ein Erfolg dieser Anstrengungen ist auch, dass im neuen EFRE | IBW Österreichprogramm erstmals ein gemeinsames FTI-Programm der Bundesländer Kärnten, Salzburg und Vorarlberg zur Schaffung von Forschungs- und Transferzentren mit spezifischen Fokusbereichen eingerichtet wird, womit auch bundesländerübergreifende Kooperationen forciert und ermöglicht werden sollen.

Die ersten Erfolge der gemeinsamen Anstrengungen werden sichtbar. (c) Johannes Puch

Bereits in der aktuell laufenden AplusB-Periode (Juli 2017 bis Juni 2022) arbeiteten die Stakeholder Tirols und Vorarlbergs entsprechende gemeinsame Servicestrukturen aus. Dabei konnten wertvolle Erfahrungen im Sinne einer ertragreichen Kooperation zwischen Gründungszentren gewonnen werden, welche nun weiter ausgebaut und über die Bundesländer Kärnten und Salzburg skaliert werden sollen. Das build! Gründerzentrum engagierte sich in den vergangenen fünf Jahren im Startup-Bereich mit professionell aufgebauten Servicestrukturen für den Preinkubations- und den Inkubationsprozess.

Es wird vermutlich keinem der Partner gelingen, ein Startup, Scale-up oder Spin-off aus einem Bundesland in ein anderes zu lotsen und es bei sich anzusiedeln. Es kann aber gelingen, die Gründungsunterstützung und -begleitung in ihren Regionen – gemeinsam – zu verbessern sowie gelernte Erfolgsmodelle beziehungsweise Best-Practice-Erfolge auszutauschen und so zu multiplizieren. Know-how und Services können transferiert und die verschiedenen Ressourcen, Kompetenzen und regionalen Stärken optimal und effizient zum Wohle der Gründungsprojekte aufeinander abgestimmt werden.

Die Bundesländer zeichnen sich im Gründungsumfeld durch unterschiedliche Situationen (regionale Stärken sowie Herausforderungen) aus. Jeweilige Besonderheiten und etablierte, bewährte Strukturen und Leistungen bleiben erhalten, auch sollen die regionalen Stärken der einzelnen Regionen gut genutzt und gegenseitig verfügbar gemacht werden (Branchenschwerpunkte, Wirtschaftscluster, Forschungsthemen, Forschungsinfrastrukturen, Fachwissen, Know-how etc.), um Lücken zu schließen und Herausforderungen zu adressieren. Es gibt aber auch viele Ähnlichkeiten und Parallelen, bei welchen sich eine Zusammenarbeit sehr positiv und damit hebelwirkend ausprägen kann. Kritische Größen hinsichtlich der neuen programmatischen Ausrichtungen im AplusB-Scale-up-Programm auf Female Empowerment und im Bereich der klima- und umweltrelevanten Gründungsvorhaben können durch Pooling der Gründungsvorhaben über Bundesländergrenzen hinweg erreicht werden.

Dieser Text stellt eine stark verkürzte Version des Beitrages »Kooperation und Konkurrenz im AplusB South West« von Jürgen Kopeinig aus dem KWF-Magazin 1.2022 dar. Eine Download-Version des Magazins finden Sie hier.